Klavier

Einführung

Der französische Philosoph Michel Foucault hatte die Idee der Genealogie. Das bedeutet: Um etwas zu verstehen, muss man nicht nur den Anfang kennen, sondern auch sehen, wie es sich über die Zeit verändert hat. In diesem Semester habe ich mich mit der Geschichte meiner Großeltern in den frühen 1980er Jahren beschäftigt. Durch Interviews und alte Fotos erfuhr ich, wie meine Großeltern die Geburtsfamilie meiner Großmutter in Österreich entdeckten, wie sie die deutsche Kultur und Sprache lernten und erlebten und über eine meiner frühesten Erinnerungen, das Lieblingsklavier meines Großvaters. Als ich ihre Geschichten hörte, erfuhr ich nicht nur mehr über sie, sondern auch über meine Eltern und mich. In meiner Präsentation erfahren Sie zuerst, wie meine Großeltern die Geburtsfamilie meiner Großmutter fanden, von ihren Reisen nach Österreich und von einigen wichtigen Familienmitgliedern, die sie trafen. Abschließend erkläre ich ausführlich, warum mir das Klavier meines Großvaters so in Erinnerung geblieben ist und warum diese Zeit für meine Großeltern so prägend war.

 

Wie bin ich in dieses Seminar gekommen?

Mein erster Besuch in Deutschland war eine sehr traurige und unbequeme Erfahrung, aber ich habe trotzdem viel gelernt. Ich bin mit Klassenkameraden von meinem Gymnasium nach München  gereist und wir haben Museen, Sehenswürdigkeiten, Essen; und Geschichte erkundet. Obwohl die Ereignisse während des Tages schön waren, bin ich immer noch sehr unglücklich gewesen. Ich war so unglücklich, weil ich meine Familie und Freundin sehr vermisst habe, und ich hatte keine Freunde auf dieser Reise. Trotzdem, wenn ich in die Vergangenheit schaue, erinnere ich mich gern an diese Reise. Diese Reise nach München hat in mir viel Interesse an deutsche Kultur und Geschichte geweckt und heute versuche ich dieses Interesse zu nutzen, um die deutsche Gesellschaft in meiner Umgebungbesser zu verstehenIch habe vier Jahre lang Deutsch gelernt und studiert. Ich habe in meinem ersten Jahr im Gymnasium angefangen, und jedes Jahr habe ich einen Deutschkurs gemacht. Ich habe Deutsch als meine neue Sprache gewählt, weil meine Mutter und ihre Eltern Deutsch verstehen. Meine Großeltern haben Deutsch als Erwachsene gelernt, um sich mit der Familie meiner Großmutter in Österreich zu treffen und zu sprechen. Meine Großmutter wurde in Österreich geboren, aber sie ist nicht in Österreich aufgewachsen, weil ihre Familie sie über den Eisernen Vorhang gebracht hat. Aufgrund dieses Konflikts in Europa, studiert und genießt ein Teil meiner Familie die deutsche Sprache und Kultur. Ich bin am meisten interessiert, etwas über die Geschichte und Teilung zwischen Ost und Westeuropa während des Kalten Krieges zu studieren, und auch wie Leute in Osteuropa zu ein neues Leben geändert haben.

In diesem Seminar möchte ich mehr über das Leben von ehemaligen Ostdeutschland und Osteuropa Bürger lernen. Hauptsächlich, wo sie ein neues Haus und Gesellschaft gefunden haben, und auch, wie sie ihre ostdeutsche Kultur und Ahnungen genommen haben. In der Zukunft interessiere ich mich auch für die Geschichte meiner Großmutters Familie in Österreich. Ich kann mit meinem Großvater deutsche Musik auf Cello und Klavier spielen, Osterreiches Essen mit meiner Großmutter kochen, und endlich Fragen über die Familiengeschichte stellen. Ich finde es auch interessant, dass wir in den USA viele Ahnungen und Stereotypen über Deutschland haben, aber nur wenige diese Stereotypen aus Ostdeutschland kommen. Die Ahnungen und Beeinflussung von Karl Marx in den Achsen hunderts ist auch sehr wichtig.

In der Zukunft werden die Kenntnisse von diesem Kurs hoffentlich sehr hilfreich sein. Verständnis  der Geschichte von Ostdeutschland wird mir helfen, mehr von unserer Welt und dem heutigen Europa zu verstehen. Ich glaube nicht, dass ich Deutsch in meiner zukünftigen Arbeit benutzen werde, aber es ist immer eine Möglichkeit. Ich finde es entscheidend, Deutsch fließend und klar zu sprechen, um mit anderen Deutschen zu reden. Auch kann Deutsch mir mehr Einsicht in meiner Familiengeschichte ermöglichen Zudem ist Deutsch ein kritischer Teil meines Lebens und ich möchte diesen Teil verbessern.

Familienstammbaum

Mein Stammbaum dreht sich um meine Großmutter Cynthia Kliewer. Ihr Geburtsname in Urfahr war Helga Pönner. Eine sehr wichtige Geschichte um Cynthia ist die Geschichte, wie sie und mein Großvater Cynthias Geburtsfamilie gefunden haben. Cynthia wurde in Urfahr, Österreich, geboren, direkt nördlich der Donau in Linz. Ihre Mutter war nicht in der Lage, sich um sie und ihre Geschwister zu kümmern, also hat sie sie in einem Waisenhaus gegeben. Obwohl meine Großmutter, seit sie drei Jahre alt war, in den USA gelebt hat, hatte sie noch ein paar Informationen über ihre Geburtsfamilie, die ihrer Adoptivfamilie bekannt waren. 1983 haben sie und mein Großvater mit ihrem örtlichen Priester in Temple, Texas, gesprochen. Der Priester hatte einen Freund, der auch ein Priester war und jeden Sommer in Innsbruck arbeitete und den oberösterreichischen Dialekt verstanden hat. Meine Großeltern haben dem Freund des Priesters die Informationen gegeben, die sie hatten: den Namen von Cynthias Mutter, Rosa, und die Pfarrei in der Nähe von Urfahr. Der Pfarrer ist im Sommer 1983 nach Urfahr gegangen und hat im Einwohnermeldeamt herausgefunden, dass Rosa gestorben war und dass ihre Schwester Agnes Huemer noch lebte und in Linz war. Im folgenden Sommer 1984 war mein Großvater in der Luftwaffenreserve in Bittburg stationiert. Am 4. Juli hat er rund um die Uhr als Arzt im Krankenhaus gearbeitet, damit er am 5. Juli frei hatte. Am 5. Juli ist er nach Linz gereist und ist in Agnes’ Wohnung gewandert. Das Erste, was er zu ihr sagte, war: „Hallo, ich bin der Ehemann von Helga Pönner.“ Diese Geschichte ist sehr bekannt in meiner Familie und es ist immer schön, sie wieder zu hören. In den Jahren nach 1984 haben meine Großeltern Österreich oft gemeinsam besucht und haben oft ihre beiden Kinder mitgebracht. Sie haben endlich die ganze Familie Pönner gefunden, auch Cynthias Geschwister. Als ich im letzten Sommer endlich zum ersten Mal nach Österreich und Linz gereist bin, war das für mich und meine Mutter ein ganz besonderer Moment, weil sie seit mindestens 20 Jahren nicht mehr dort war.

Der Prozess der Suche nach den Pönners dauerte von 1983 bis 1984. Diese Jahre waren sehr wichtig für Cynthia, weil sie gerade dabei war, ihre eigene Familie zu gründen. Sie und mein Großvater adoptierten 1979 meine Mutter und 1981 meinen Onkel. Mein Gegenstand, das Yamaha Klavier, wurde auch 1981 gekauft. Nachdem Cynthia in ihrem neuen Haushalt ihre eigene Familie gegründet hatte, hat sie sich bereit danach gefühlt, mit der Hilfe meines Großvaters mit der Suche nach ihrer Geburtsfamilie zu beginnen. In 1984 hat Apple den ersten Macintosh-Computer auf den Markt gebracht und der weltweite Internetzugang wurde langsam Realität. Das war entscheidend für Cynthia.  Nachdem sie ihre Familie in Österreich besucht hat, konnte sie das ganze Jahr über E-Mail und Telefon mit ihrer Familie in Kontakt bleiben. Schließlich wurde Helmut Kohl 1983 zum Kanzler Westdeutschlands gewählt. Obwohl meine Großeltern nicht viel in Deutschland unterwegs waren, war es noch eine sehr wichtige Wahl, weil Kohl nach der Wiedervereinigung der erste Bundeskanzler Deutschlands werden sollte. Die deutsche Teilung existierte auch in Österreich, als meine Großmutter geboren wurde, und die Nonnen im Waisenhaus schmuggelten sie aus der sowjetisch kontrollierten Nordseite der Donau zur Südseite der Donau, wo sie von einer Familie adoptiert werden konnte, die sicher vor der sowjetischen Kontrolle war.

Interview

Ich: Du hast auf dieser Reise auch Linz besucht, richtig? Du hast gewusst, dass Oma da geboren wurde.

Opa: Genau, und Linz war einfach wunderschön. Wir haben alle möglichen Sachen aus dem Zweiten Weltkrieg gesehen. Alte Artillerie, Lager und Löcher in den Hügeln, wo in der Vergangenheit Armeetruppen operierten.

Ich: Hatten die Linzer das Gefühl, mit den Folgen des Krieges leben zu müssen?

Opa: Ja, definitiv. Über alten Militärtunneln wuchsen wunderschöne Gärten, und das Leben ging weiter. Der Freund deiner Tante Elfriede Pönner, Fritz Ulbrich, und viele andere österreichische Männer wurden gezwungen, im Krieg für die Nazis zu kämpfen und mussten neue Wege finden, um sich und ihre Familien zu ernähren. 

Ich: Würdest du sagen, dass es eine Verbindung zwischen 1981, 1982 und 1983 gibt, als du und Oma begonnen habt, die Geschichte ihrer Familie in Österreich zu lernen? War das eine Zeit, wo du dich in Texas wohler gefühlt hast und emotional bereit warst, diese Aufgabe zu beginnen?

Opa: Ja, das klingt richtig. In den 1980er- und vor allem in den frühen 80er-Jahren begannen wir, unsere eigene Familie zu gründen, und die Geschichte, wie wir die Geburtsfamilie deiner Großmutter gefunden haben, begann.

Fotos: Mein Opa spielt das Klavier, Mein Opa und ich auf dem Klavier, Meine Oma und meine Mutter

                   

Chopin Heroic Polonaise op.53

 

Klavier

Ich erinnere mich an den Mann, weil er mich in eine Klavierwerkstatt gebracht hat. Ich bin jetzt repariert worden und ich kann wieder Musik kreieren. Der Mann kommt auf mich zu und beginnt, auf meinen schwarzen und weißen Tasten zu spielen. Er spielt ein wunderschönes Lied, das das ganze Haus erfüllt. Der Mann ist geduldig und vorsichtig, während er sein Lieblingsstück spielt, Chopins Polonaise Op. 53. Er reparierte mich, damit er Musik für seine Familie spielen konnte. Der Mann und ich machten viele Jahre lang herrliche Musik für seine Kinder, und eines Tages kamen die Enkelkinder, und der Mann spielte sanfte Lieder, um den Kindern beim Einschlafen zu helfen. Musik blieb auch ein wichtiger Teil der Familie, nachdem ich weg ging, und ich werde die früheste Erinnerung meiner Enkelkinder sein.

Genealogie der Musik

Klassische Musik ist ein wichtiger Teil der Musikgeschichte. Viele Menschen sehen klassische Musik als alt, schwierig oder elitär. Aber wenn man sich mit ihrer Geschichte beschäftigt, kann man sie besser verstehen. Der französische Philosoph Michel Foucault hatte die Idee der Genealogie. Das bedeutet: Um etwas zu verstehen, muss man nicht nur den Anfang kennen, sondern auch sehen, wie es sich über die Zeit verändert hat. In dieser Arbeit möchte ich zeigen, wie klassische Musik sich entwickelt hat und warum seine Entwicklung so entscheidend für Musik heutzutage ist.

Am Anfang war klassische Musik vor allem Kirchenmusik. Im Mittelalter sang man gregorianische Gesänge. Diese Musik war einstimmig und diente der Religion. Später, in der Renaissance, wurde die Musik komplexer. Es gab mehrstimmige Lieder, und die Komponisten achteten mehr auf Text und Ausdruck. Musik wurde auch außerhalb der Kirche wichtiger. Diese Veränderung hatte mit neuen Ideen in der Gesellschaft zu tun, wie Humanismus und Wissenschaft. Im Barock (ungefähr 1600 bis 1750) war die Musik oft sehr geordnet und reich verziert. Komponisten wie Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel schrieben Musik mit klaren Formen, wie die Fuge oder das Concerto. In dieser Zeit war Musik auch ein Ausdruck von Macht und Religion. Für Foucault war das typisch: Wissen und Kunst wurden durch Machtstrukturen geprägt. Musik diente dazu, Ordnung und Autorität zu zeigen. Foucault argumentiert jedoch auch, wie wichtig es ist, diese Ursprünge zu verstehen. Wenn man versteht, warum und wie sich Musik verändert hat, kann man die Musik heute besser verstehen. Die Klassik (ca. 1750–1820) brachte neue Ideen. Komponisten wie Wolfgang Amadeus Mozart oder Joseph Haydn schrieben Musik, die logisch, klar und harmonisch war. Neue Formen wie die Sonate oder die Sinfonie entstanden. Diese Ordnung spiegelte das Denken der Aufklärung wider. In dieser Zeit glaubte der Mann an Vernunft, Bildung und Regeln. Musik wurde ein System, das man analysieren und lehren konnte. Im 19. Jahrhundert hat sich vieles verändert. In der Romantik spielen Gefühl und Individualität eine große Rolle. Komponisten wie Ludwig van Beethoven oder Franz Schubert wollten ihre eigene Sicht auf die Welt ausdrücken. Sie brachen manchmal alte Regeln, um ihre Emotionen zu zeigen. Das war auch ein neuer Blick auf den Künstler: Nicht mehr nur Handwerker, sondern ein besonderer „Genie“ mit einer Stimme. Im 20. Jahrhundert wurde klassische Musik sehr vielfältig. Manche Komponisten, wie Arnold Schönberg, verließen die klassische Tonalität und entwickelten neue Systeme, zum Beispiel die Zwölftonmusik. Andere, wie Igor Strawinsky, experimentierten mit Rhythmus und Klang. Diese Veränderungen hatten auch mit den politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen der Zeit zu tun, wie den Weltkriegen oder der Technik. Foucault hätte gesagt: Die Musik zeigte neue Machtverhältnisse und neue Arten des Denkens.

Was bedeutet das für uns heute? Viele Menschen hören klassische Musik im Konzert oder im Film. Manche glauben, sie sei nur für gebildete Leute. Aber wenn wir die Geschichte kennen, sehen wir, dass klassische Musik viele Wandlungen erlebt hat. Sie war nie „nur“ für eine Gruppe von Menschen. Es gibt heute Musikerinnen und Musiker, die Barockmusik mit alten Instrumenten spielen oder moderne Komponisten, die klassische Formen mit neuen Ideen verbinden. Wenn man die Vergangenheit kennt, kann man diese Musik besser verstehen. Foucaults Begriff der Genealogie hilft uns dabei. Er zeigt uns, dass Musikgeschichte nicht nur eine Linie ist – vom Einfachen zum Komplexen – sondern viele Richtungen hat. Wir können auch fragen: Warum lernen wir in der Schule vor allem Bach, Mozart und Beethoven? Warum nicht auch Musik aus Afrika, Asien oder Südamerika? Wer hat entschieden, was zur „klassischen“ Musik gehört? Diese Fragen sind wichtig, wenn wir Musik in einem größeren Zusammenhang sehen wollen.

Während meines Interview und mehrerer Gespräche mit meinem Opa in diesem Semester haben wir viel über Musik gesprochen und dabei oft die Musikgeschichte besprochen, die ich beschrieben habe. Während dieser Gespräche wurde mir schließlich ein wesentlicher Aspekt der Musikentwicklung bewusst: Musik entwickelte sich so, wie sie es getan hat, indem sie ihre Regeln ablegte und sich weiter der Kreativität öffnete, als Ablehnung der Machtdynamik und der herrschenden Klasse der Vergangenheit. Hätte man mir das früher gesagt, hätte ich natürlich zugestimmt, aber es ist wirkungsvoller, ganz von selbst zu dieser Schlussfolgerung zu gelangen. Das war nicht der Fall, bis ich die gesamte Genealogie oder Geschichte der Musik in einem einzigen Bild vor mir sah. In der Zukunft hoffe ich, das Gesamtbild zu sehen und die Gründe zu verstehen, warum sich andere Systeme in unserer modernen Welt so entwickelt haben, wie sie es getan haben.

 

Abschluss

Vor diesem Semester wusste ich, dass ein wichtiger Grund für mein Deutsch- und Klassik-Lernen ein Trend in meiner Familie war. Doch erst nach dem Abschluss dieser Aufgaben entdeckte ich, woher diese Wurzeln genau stammen. Die Liebe meines Großvaters zum Klavier und sein Klavierspiel für seine Familie beeinflussten sowohl meine Mutter und auch mich direkt dazu, klassische Musik zu lernen. Das gilt auch für die deutsche Sprache. Die Verbundenheit meiner Großmutter mit ihrem Geburtsland und das Deutschlernen meiner Großeltern, um sich mit der Familie meiner Großmutter unterhalten zu können, führten direkt dazu, dass meine Mutter und ich Deutsch lernten. In Zukunft hoffe ich, mit meinem Opa mehr über die Geschichte seines Klaviers sprechen zu können, so wie ich über die Geschichte ihrer Reisen nach Österreich gesprochen habe. Ich hoffe auch, mit meiner Oma über ihre Geschwister sprechen zu können, die sie in Österreich kennengelernt hat. Inwiefern waren sie anders oder ähnlicher, als sie erwartet hatte?